GrabungTempelhof01Flaeche1-ohne-GM-PlanungGrabungTempelhof02GrabungTempelhof03


Kontakt:

Prof. Dr. Reinhard Bernbeck
rbernbec@zedat.fu-berlin.de
030 8385 7017
0157 8729 5964



Prof. Dr. Susan Pollock
spollock@zedat.fu-berlin.de
030 8385 7026


Ausgrabungen Tempelhofer
Flugfeld 2013 als *.pdf
downloaden



Ausgrabungen 2012 als *pdf downloaden

AUSGRABUNGEN AUF DEM TEMPELHOFER FLUGFELD 2012 und 2013

Der Senat von Berlin hat für das Jahr 2013 aufgrund zweier Negativ-Jubiläen, der 80-Jahre Erinnerung an die Machtübernahme durch das nationalsozialistische Regime und der 75-Jahre Erinnerung an die Reichspogromnacht das Motto „Zerstörte Vielfalt“ ausgewählt, um diesen dunklen Abschnitt der rezenten Geschichte Berlins nicht dem Vergessen anheim zu geben. Das Gedenken an diese Vergangenheit kann an etlichen Orten stattfinden. Die auf dem Tempelhofer Flugfeld durchgeführten archäologischen Ausgrabungen sind aus mehreren Gründen ganz besonders geeignet, eine engagierte und ernsthafte Auseinandersetzung mit einer schuldbelasteten Vergangenheit zu fördern:
  • Hier befand sich ein schon im Jahre 1933 Schrecken verbreitendes Gestapo-Gefängnis und späteres KZ, in dem Nazi-Schergen Opfer, v.a. aus der politischen Opposition quälten, erniedrigten und umbrachten;
  • Das Tempelhofer Feld mit dem Grossaufmarsch am 1. Mai 1933 ist das Symbol für die Verdrehung dieses Tages mit seinem bis dahin klassenkämpferischen Anspruch in einen „Feiertag der nationalen Arbeit“, der am 2. Mai durch den Angriff auf alle Gewerkschaftshäuser in Deutschland und die Zerschlagung aller Gewerkschaftsorganisationen besiegelt wurde.
    Direkt südlich des Columbia-Damms befand sich seit etwa 1940 ein schnell wachsendes Zwangsarbeiterlager zweier zentraler Rüstungsbetriebe der Nazi-Zeit, das sog. Richthofen-Gemeinschaftslager, sowie ein etwas abseits gelegens weiteres Lager der Lufthansa.

Forschungsrahmen

Die Grün Berlin GmbH und die Tempelhof Projekt GmbH haben als Gesellschaften des Landes Berlin im Rahmen der Planung des Flugfeldes Tempelhof Expertisen unterschiedlicher Art durchführen lassen. Diese stammen von HistorikerInnen (Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V.), einem Kampfmittelsuchdienst, einem Ingenieursbüro für Bodenqualität, und für das KZ Columbia von einem Prospektionsdienst. Auch das Deutsche Archäologische Institut war bei Vorbereitungen beteiligt. Zudem wurden Recherchen im Auftrag der Lufthansa (Budraß 2001), von interessierten Vereinen (Förderverein zum Gedenken an die Naziverbrechen um und auf dem Tempelhofer Feld e.V.), durch universitäre Qualifikationsarbeiten (Dittrich 2008) und interessierte Privatleute durchgeführt.

Historisches

Das Tempelhofer Flugfeld hat zwar eine recht kurze, aber vielschichtige Geschichte. Seit dem späten 19. Jahrhundert war es zunächst Exerzierfeld und Ausflugsgelände mit einer am Nordrand des Columbia-Damms befindlichen Kaserne sowie einer „Militär-Arrestanstalt“, dem späteren Colmbia-KZ auf der Südseite der Straße. 1922-23 wurde der frühere Exerzierplatz in ein Flugfeld verwandelt, und 1923 als einer der ersten Verkehrsflughäfen der Welt eröffnet. Die Gebäudestrukturen wuchsen rasch und führten zu einem Neubau der zentralen Abfertigungshalle in den Jahren 1924-26 und 1927-28.
Radikale Änderungen ergaben sich seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Das Flugfeld wurde am 1. Mai 1933 zu einem Aufmarsch von angeblich mehr als 1 Million Anhängern des Nationalsozialismus genutzt. Fast zeitgleich wurde die Militär-Arrestanstalt in ein Gestapo-Gefängnis verwandelt, in dem vor allem kurzfristig Verhaftete verhört und gefoltert wurden,
Flur des KZ Columbia, nach einem Foto des SS Lagerkommendanten Karl Otto Koch
Flur des KZ Columbia, nach einem Foto des SS Lagerkommendanten Karl Otto Koch

wobei Häftlinge oft zwischen Prinz-Albrecht-Strasse (GeStaPA, Gelände der heutigen „Topographie des Terrors“) und dem Columbia-Haus hin- und her gefahren wurden. Seit 1934 und bis Dezember 1936 nach nationalsozialistischer Terminologie als Konzentrationslager genutzt, wurde dieses Gebäude abgerissen, als der riesige, von Ernst Sagebiel entworfene Neubau verwirklicht wurde. Umstände des Abrisses des Columbia-Hauses im Jahre 1938 sind nur in Umrissen bekannt.
Der neue Flughafen veränderte das Stadtbild im Bereich der Kreuzung Columbia-Damm/Tempelhofer Damm erheblich. Der Sagebiel-Bau konnte jedoch bis 1945 nicht wie geplant als Zivilflughafen fertiggestellt werden. Vielmehr wurden seit Mai 1940 Zwangsarbeiter eingesetzt, um serienmäßig Sturzkampfbomber („Stuka“, Junkers JU 87) und andere Kriegsflugzeuge für die Weser Flug AG und Radargeräte seitens der Lufthansa bauen zu lassen.
Direkt östlich und südlich an den halbrunden Sagebiel-Bau anschliessend gab es zur Unterbringung von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen zwei große Barackenlager.

Luftfoto des Richthofen-Barackenlagers der Weser Flug GmbH; Zustand 1943
Luftfoto des Richthofen-Barackenlagers der Weser Flug GmbH; Zustand 1943

Die meisten dieser Baracken waren bei Kriegsende zerstört. In der Nachkriegsgeschichte wurde Tempelhof bekanntermassen zu Zeiten der Berliner Luftbrücke 1948 bis 1949 intensiv genutzt, eine Aktion, die die West-Berliner (und westdeutsche) Bevölkerung fester an die Alliierten band als zuvor. Das Flugfeld wurde mit Unterbrechungen bis 2008 für den zivilen Flugverkehr, bis 1993 durch das U.S. Militär genutzt.

Projektrahmen

Das Institut für Vorderasiatische Archäologie arbeitet zusammen mit Prof. Michael Meyer vom Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin und dem Landesdenkmalamt Berlin, Fachressort Archäologie unter Leitung von Frau Dr. Karin Wagner.
Ein Beirat internationaler FachwissenschaftlerInnen begleitet die Untersuchungen. Hierzu gehören:
    - Professor Dr. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin und Landesarchäologe

    - Professor Dr. Svend Hansen, Direktor der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts

    - Professor Dr. Andreas Nachama, Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors

    - Professor Dr. Michael Wildt, Humboldt Universität zu Berlin

    - Professor Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

    - Professor Dr. Isaac Gilead, Ben Gurion University of the Negev, Israel

    - Professor Dr. Claudia Theune-Vogt, Universität Wien

    - Professor Dr. Randall H. McGuire, Binghamton University, U.S.A.


Projektleitung und Mitarbeiterinnen

Prof. Dr. Reinhard Bernbeck
rbernbec@zedat.fu-berlin.de
030 8385 7017
0157 8729 5964

Prof. Dr. Susan Pollock
spollock@zedat.fu-berlin.de
030 8385 7026

Jan Trenner, M.A.
Örtlicher Grabungsleiter

Verena Schwartz, M.A.
Fundbearbeiterin

Edward Collins, B.A.
Grabungsingenieur

Beatrix Nordheim
Zeichnerin

Jessica Meyer
Fotografin

Presseecho

FACETTEN-Magazin Neukölln, 22.7.2012
>>Spurensuche auf dem Tempelhofer Feld

Jüdische Allgemeine, 26.7.2012
>>Schicht um Schicht

tagesspiegel, 31.7.2012
>>Tempelhofer Unfreiheit

Berliner Morgenpost, 22.11.2012
>>Archäologen fördern Berlins braune Vergangenheit zutage

Neues Deutschland, 23.11.2012
>>Spuren der Nazi-Vergangenheit

die taz, 26.12.2012
>>Tempelhofer Feld: Einblicke in die Vergangenheit

Eine Web-Site der Studierenden des Public History Masters Jahrgang 5 an der FU Berlin
>>www.tempelhofer-unfreiheit.de/de/archaeologische-ausgrabungen

Bibliografie

Berliner Geschichtswerkstatt, Hrsg. 2012. Kein Ort der Freiheit - Das Tempelhofer Feld 1933-1945. Konzentrationslager - Luftwaffenstützpunkt - Rüstungszentrum. Berlin: Förderverein zum Gedenken an NS-Verbrechen auf und um das Tempelhofer Feld e.V.

Bräutigam, Helmut. 2003a. Zwangsarbeit in Berlin 1938-1945. In Helmut Bräutigam, Doris Fürstenberg und Bernt Roder, Hrsg.: Zwangsarbeit in Berlin, 1938-1945, pp. 17-62. Berlin: Metropol.

Bräutigam, Helmut. 2003b. Der Arbeitseinsatz beim Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt 1938-1942. In Helmut Bräutigam, Doris Fürstenberg und Bernt Roder, Hrsg.: Zwangsarbeit in Berlin, 1938-1945, pp. 105-127. Berlin: Metropol.

Budraß, Lutz. 2001. Die Lufthansa und ihre ausländischen Arbeiter im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt a.M.

Dittrich, Elke. 2008. Der Flughafen Tempelhof in Entwurfszeichnungen und Modellen 1935–1944. Berlin: Lukas Verlag.

Heisig, Matthias und Michael Thiele, Hrsg. 1998. Landing on Tempelhof. 75 Jahre Zentralflughafen, 50 Jahre Luftbrücke. Berlin: Bezirksamt Tempelhof.

Heisig, Matthias. 2012. Die ‚Weser’ Flugzeugbau GmbH auf dem Flughafen Tempelhof - Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit für den Krieg. In Frieder Böhne und Beate Winzer (Hrsg.): Kein Ort der Freiheit - Das Tempelhofer Feld 1933-1945, pp. 41-60. Berlin: Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

Linenthal, Edward T. 2001. Preserving Memory. New York: Columbia University Press.

Schilde, Kurt und Johannes Tuchel. 1990. Columbia-Haus. Berliner Konzentrationslager 1933-1936. Berlin: Edition Hentrich.

Sofsky, Wolfgang. 1997. Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager. Frankfurt a.M.: Fischer.

Süß, Dietmar. 2009. Der Kampf um die ‚Moral’ im Bunker. Deutschland, Großbritannien und der Luftkrieg. In Frank Bajohr und Michael Wildt, Hrsg.: Volksgemeinschaft. Neue Forschungen zur Gesellschaft des Nationalsozialismus, pp. 124-143. Frankfurt a.M.: Fischer.

Wenz, F.-Herbert. 2002. Flughafen Tempelhof, 1939-1945. Lemwerder: Stedinger Verlag.

Impressum


Verantwortlich für den Inhalt der Seiten:
Prof. Dr. Reinhard Bernbeck
030 8385 7017
0157 8729 5964

Bitte beachten: Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann, so das LG, nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Auf dieser Homepage sind Links zu anderen Seiten im Internet gelegt. Für alle diese Links gilt: Wir erklären ausdrücklich, dass wir keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten haben. Deshalb distanzieren wir uns ausdrücklich von den Inhalten aller gelinkten Seiten.